Porto mit dem Segelboot – Mitten im Douro geankert


Zwischen Strömung, Stadtlichtern und einer Nacht, die wir nie vergessen werden

Unser Ankerplatz im Fluss Douro ist spektakulär. Wir sind alle wahnsinnig beeindruckt, von der Brücke und von jedem Sonnenuntergang, den wir täglich von unserem Boot aus, geniessen können.

Ankercoordinaten: 41°09 N 8°39 W.

Ribeira, das malerische Viertel am Ufer des Flusses Douro verkörpert den authentischen Charme Portugals. Unzählige, viele Wesen und überall duftet es nach gegrilltem Fisch und Holzkohle. Die Dom Luis I ist 400 Meter lang und wahrscheinlich die bekannteste Bogenbrücke der Welt. Sie wird im unteren Bereich von Autofahrern genutzt, während oben die Metro fährt. Wir sind mitten drinnen in der Metropole, unter hunderten von Menschen, die ebenso wie wir, beeindruckt von der majestätischen Architektur sind. Soviele Stimmen, soviele Geräusche, Porto ist eine Jam Session, ein unentwegter Crescendo, dass einem schwindlig wird und man erleichtert ist, auf einem Boot zu leben. In der Stille des Douro.

Etwas weiter flußaufwärts quert eine etwas kleinere Eisenbahnbrücke aus Metall (die Ponte Maria Pia) den Douro, diese wurde übrigens von Gustave Eiffel selbst entworfen. Hier treffe ich mich mit einer Bekannten, die ich bei meiner Arbeit als Yogatherapeutin in Berlin kennengelernt habe. Sie ist spontan mit ihrer kleinen Familie nach Porto geflogen, um mich zu sehen. Simon fährt mich mit dem Dinghy zu einem alten Fischerhafen, wo Mareen bereits in einem himmelblauen Kleid auf mich wartet.

Wir haben noch nicht mal richtig angelegt, da springt Budhi in hohem Bogen über Board, um an Mareen hochzuspringen um sie mit Küssen, zu begrüssen. Schon fliessen die Tränen bei uns beiden. Stundenlange laufen wir am Ufer des Flusses entlang, reden, lachen bis wir uns in der Skybar niederlassen und einige Cosmopolitan trinken und einen gebackenen Camambert essen. Angeheitert streifen wir durch die Nacht, bis ein Uber, Mareen zu ihrer Familie ins Apartment bringt und mich Simon holt. „Oh Käptn, mein Käptn, ich warte auf dich…,“(Walt Whitman) mit einem kleinen Licht in einer Hand und der anderen am Gashebel, kommt Simon um mich abzuholen und es fühlt sich an, als wäre ich in einem anderen Jahrhundert. Die Strömung ist sehr stark und die Wellen hoch. Ich muss mich ganz klein machen, um nicht kommplett durchnässt zu werden, oder gar über Board zu gehen. Als wäre diese ganze Fahrt ein Geheimniss und es prickelt unter meiner Haut.

Am nächsten Tag treffen wir uns alle in der Markthalle, dem Bolhão-Markt https://mercadobolhao.pt, der im Bahnhof von Porto liegt. Es ist der schönste Bahnhof, den ich in meinem Leben betreten habe und ist ein einziges Kunstwerk. Das Juwel mitten im Herzen Portos. 20.000 Azulejos (Fliesen), bunt gestaltete Keramikkacheln, zieren die Vorhalle des 1916 eröffneten Bahnhofsgebäudes und erzählen die Geschichte Portugals. Ein absolutes Highlight, man muss diese Kunst gesehen haben! Der Bahnhof beherbergt den Time Out Market, eine Markthalle, die eine Auswahl an kulinarischen Spezialitäten der Stadt bietet. Der Markt befindet sich im Südflügel des Bahnhofs und bietet eine Vielzahl von Restaurants und Bars. Man kann drinnen und draussen sitzen und man bekommt so ziemlich alles, was das Herz begehrt, von traditionellen bis hin zu modernen Gerichten. Der Markt ist für den einen oder anderen sicher ein kulinarisches Erlebnis, für mich war es zuviel an Angeboten und Menschen. Aber ich konnte eintauchen in die Identität Portos, denn wenn man einfach still sitzt und alles auf sich wirken lässt, dann kann man hier verschmelzen mit den Gerüchen, den Menschen und der Geschichte. Das macht Kunst mit mir.

Hier zu Ankern ist schon unglaublich, Flugzeuge fliegen über uns hinweg und der Strand ist mit dem Dingi erreichbar. Wir haben hier alles. Einen kleinen Bäcker, der köstliche, butterzarte Brötchen und riesige Croissants backt. Fliegende Obst und Gemüsehändler, wo ich täglich Salat, Marillen und Nektarinen kaufe und eine öffentliche, saubere Dusche mit warmen Wasser. Einen Waschsalon der auch mit dem Dingi erreichbar ist. Grandios! Wie toll ist das denn? Simon und Valerie entdecken die Stadt mit einem kleinen Roller, Namens Bird, https://www.bird.co, besuchen Museen, verschiedene Galerien und fahren mit der Gondel, während ich mit Budhi stundenlang am Flussufer entlang laufe.

An einem anderen Tag versuchen wir eine Gasflasche zu kaufen, das schier unmöglich ist, nach dem dritten Anlauf, kaufen wir eine überteuerte, Mini Camping Gasflasche, im Marinabedarf. Wir lernen Nils kennen, einen Mann aus Dänemark der schon seit drei Jahren unterwegs ist. Er reist alleine und langsam: „How like a snail …“, sagt er lächelnd. Abends kehrt Nils aus der Stadt zurück, im Dingi neben ihm, ein kleiner, schwarzer Hund, namens Rufus. „Oh weiha!“, haben wir uns sofort in den kleinen Rüden verliebt. Ein Weggefährte für Nils, ein Herzenshund aus dem Tierheim in Porto. „Spätestens in Lissabon sehen wir uns wieder…!“, schlage ich vor.

Wir nehmen Abschied von dieser unglaublich, schönen und charaktervollen Stadt, den verschiedenen bunten Häusern mit ihrer alten Patina, den Kirchen und den Brücken. Wo an jeder Ecke, eine andere Katze lebt, so unterschiedlich, wie wir Menschen und ich frage mich wieder mal, wann der Rassismus begonnen hat und wann er jemals aufhören wird? Alles auf der Erde ist einzigartig, in jedem atomaren Teil. Wenn Du und ich in den Nachthimmel schauen, dann sehen wir das Funkeln von verschiedenen Sternen, selbst wenn einer schon erloschen ist, kann es sein, dass du genau den Stern noch lange siehst. Wir Menschen, egal wie dick, dünn, gross, oder klein wir sind. Wie reich oder arm, egal wie hell oder dunkel unsere Haarfarbe, oder unsere Haut ist, von dort oben, sind wir alle gleich. Es sind die Seelen, die strahlen! Wir leuchten wie die Sterne, selbst, wenn wir auf dem Weg nach Hause sind. Es gibt keinen Unterschied und keine Wertung. Wir hinterlassen einen Abdruck! Nur welcher ist die Frage? Was will ich hinterlassen? „Freude und Liebe und wenn möglich, ein herzhaftes Lachen, wenn man an mich denkt.“

Ein Kommentar

  1. Silke MÖLLER

    Liebe Vivien,
    gerade habe ich deinen Bericht von Porto gelesen. Soooo schön geschrieben und wie toll, dass deine Freundin Mareen dich besucht hat…
    Ich kann mir vorstellen, wie berührend dieser Moment der Begegnung war!
    Ich bin arg im Verzug mit dem Lesen deiner Berichte…..
    Liebste Grüße von Bord❣️😘

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert