„Ich habe keine Angst vor der Dunkelheit. Der wahre Tod ist einem Leben, ohne Leben vorzuziehen.“ VascoDaGama

Abends kommen wir in Sines, der Geburtsstätte von Vasco da Gama, Portugals Nationalheld, Entdecker und Adligen an. Die Fahrt war länger, als geplant. Der Hauch eines Windes, wird von unserem Grosssegel belächelt und wir mussten immer wieder Motoren. Wir ankern.

Die Nacht ist sehr unruhig, wir schaukeln ständig hin und her, also kriegen wir alle kaum ein Auge zu. Valerie und ich, springen morgens vom Boot direkt ins Wasser, das erfrischt und stimmt einen positiv. Unter dem Motto, zum Schlafen, ist später noch jede Menge Zeit. Ein kleines Schnellboot kommt an unsere Seite und weisst uns darauf hin, dass dieser Teil des Meeres, zur Marina gehöre. Ich muss lächeln, wir stehen hier in einer Bucht, die Marina ist wirklich noch ein schönes Stück weiter weg, nicht mal in der Nähe der Zufahrt stehen wir. „Ok, wir fahren ein paar Meter rüber“, sagt Simon. Manchmal weiss man nicht, warum was passiert und manchmal, da merkt man es sofort. Wir stehen nun in unmittelbarer Nähe, der kleinen, bunten Fischerboote und siehe da, es schauckelt nicht mehr. Ankerkoordinaten: 37°57N 8°52W

Sines ist sehr niedlich! Viele Jugendliche, viele Kinder, Familien, Schulklassen, Kindergarten Gruppen. Man hört ihr Lachen und Schreien, bis in die Nacht und das ist schön! „Feier das Leben du junger Mensch! Feiere es mit all deinen Sinnen! Erlebe und rieche, esse, bade und tauche ein, in das, was wir JETZT nennen, denn morgen, was heisst das schon?!“

Die Tage verschwimmen ineinander, zwischen Stadterkundung, schwimmen gehen und langen Budhi Spaziergängen. An einem frühen Abend, ich verabschiede gerade meine Kundin aus dem Zoom, sehe ich wie Valerie hektisch das Sub löst. „Was ist?“, rufe ich. „Eine Möwe ist verletzt, ich muss zu ihr!“, „Es ist Ebbe, du kannst jetzt nicht mit dem SUB los, da bist du schneller draussen auf dem Meer, als du paddeln kannst! Wir müssen auf Papa warten!“ Simon ist joggen, daher ist das Dinghi an Land. „Ich schaffe das schon!“, sagt Valerie und steht schon auf dem Standuppadel. „Warte, ich rufe Papa an!“ Also telefoniere ich mit Simon, erkläre die Lage. Für Valerie eine gefühlte Ewigkeit später, ich würde sagen es waren vielleicht fünf oder sieben Minuten, sehen wir schon das kleine Dinghi auf unsere Navita zufahren. Budhi wird an Board gehoben und Valerie springt bereits ins Beiboot. „Los, los, lasst uns fahren, sie wird aufs Meer rausgetrieben!“, sagt Valerie. „Hast du gesehen was ihr fehlt?“, fragt Simon. „Ich befürchte es ist ein Seil in das sie sich verheddert hat, sie kann ihre Flügel nicht ausbreiten. Ich habe mein Taschenmesser dabei.“ Ich klemme mir ein Handtuch unterm Arm, um es eventuell der Möwe um den Kopf zu legen, damit sie nicht aus Panik, mit ihrem scharfen Schnabel, mit dem sie ja auch Muscheln und Austern aufbrechen kann, einen von uns verletzt. Es braucht ganz schön viel Einsatz, denn das Tier ist voller Panik. Über uns kreisen andere Möwen und es erinnert mich ein wenig an den Film von Alfred Hitchcock, die Vögel. Dr. Simon, schafft es nach mehreren Anläufen den Draht durchzuschneiden und ich bin sehr froh, dass Valerie nicht alleine los ist. Die Möwe wehrt sich und es braucht viel Kraft, Geduld und Mut dem Tier zu helfen. Zum Schluss holt Simon noch den verschluckten Köder aus dem Tier. Kaum ist der raus, flüchtet der Vogel auf den nächsten Felsen, unter dem Motto: Nichts wie weg! „Ufff!“ Wir sind alle erleichtert, aber auch geschafft. Die Sonne ist untergegangen und wir haben es nicht bemerkt. Wieder ein Tag voller Abenteuer der zu Ende geht und man sich fragt, wie kurz er doch war.




Wir essen mit Kerstin und Ulli zu Abend in der Altstadt von Sines, denn die beiden werden morgen in die Algarve aufbrechen. https://www.bomremedio.pt/. Der Abend ist geprägt von Senhora das Salas und wir sind mitten drinnen in der Prozession von Menschen mit Kerzen, die in stiller Andacht an uns vorbeilaufen.

Geschichtlicher Hintergrund: Dona Vetaça (oder Betaça) Lescaris, eine griechische Prinzessin, kam nach Portugal, um als Trauzeugin von Dona Isabel zu dienen, die König Dom Dinis heiraten wollte. Als Sie portugiesische Gewässer betritt, wird Ihr Boot von einem Sturm begrüßt. In ihrer Verzweiflung verspricht Betaça, im ersten Hafen, den sie findet, eine Kapelle zum Lob der Jungfrau zu bauen und dass die nächste Burg, das Relikt des Heiligen Lenho hat. Dona Vetaça rettet sich und die Versprechen werden erfüllt.

Gegen Mittag, fahren wir in die Marina, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Wasser wird aufgefüllt, das Boot wird geputzt, Motoröl nachgefüllt, alles wird gesichert und verstaut, ich koche und backe was das Zeug hält, denn eines hat mich die Vergangenheit gelehrt, selten kann man auf hoher See kochen. Voraussichtlich dauert die Fahrt 4 Tage und 4 Nächte. Also koche ich Reis, Nudeln und gegrilltes Gemüse. Weiche Linsen und Kichererbsen ein, schmiere und belege Vollkorn Brote. Koche Curry und backe jede Menge Kuchen. Simon lächelt: Es sind nur vier Tage!“, „Genau!“, sagt Valerie „zuwenig Kuchen!“ Ich bin jetzt schon geschafft! Also entschliesse ich mich nochmals mit dem Hund zu gehen, Simon begleitet mich, Valerie will nicht mit, sie geniesst es alleine auf dem Boot zu sein. In der kleinen Stadt riecht es verführerisch nach Pizza und obwohl ich gekocht habe, bestellen wir uns zwei Pizzen, kaufen eine Flasche Portwein und überraschen Valerie damit. Kurz vor 22 Uhr, gehen wir alle duschen und machen uns fein. Die Party in Sines ist schon voll im Gange, als wollte sie unseren Abschied feiern. Wir werden morgen das portugiesische Festland, Kontinental Europa verlassen. Wir tanzen und lachen und um Punkt Mitternacht, feiern wir den Geburtstag unseres Sohnes Noel. Ein segensreicher Tag und eine sehr kurze Nacht.-

Am 16.8. um 13 Uhr stechen wir in See und machen unseren ersten Sprung durchs Blauwasser nach Madeira mit Ziel Porto Santo.

Abfahrbereit in der Marina in Sines. https://www.marinasdeportugal.pt
