Machico, Canical kurz vor Sonnenaufgang, die erste Bucht – ein Wunder. Eine steile Felswand steigt aus dem tiefblauen Meer, so blau, wie das Wasser auf dem Weg hierher und Hoch oben, winzig klein, Menschen auf dem Wanderpfad, wie Ameisen im Morgenlicht. Und wir? Vielleicht sehen sie uns genauso.
Anker Koordinaten: 32°45N 16°42W

Nur ein weiteres Segelboot liegt hier, ein Paar aus Schweden, so langsam wie wir, mit einem Wasserhund an Bord, wir kennen sie schon aus Porto Santo, da standen wir zusammen in der Bucht. Nach einer schwankenden Nacht springe ich mit Budhi aufs SUP, auf der Suche nach einem kleinen Fleckchen Land, für sein Geschäft.:) Das Wasser ist glasklar, Felsen, Korallen, eine Welt in sich, wie Atlantis, denke ich. Eine winzige Bucht, kaum zehn Meter lang, doch sie ruft uns. Budhi wartet brav, bis ich „Spring!“, sage und taucht mit purer Freude ein. Ein felsiger, kleiner Strand nur für uns, bewacht von leuchtend roten Krebsen, die uns neugierig ansehen und bleiben. Auf dem Rückweg das Paar aus Schweden, hoffentlich machen Budhi und ihr Hund kein Theater! Irgendwas ist im Wasser zwischen uns. Ein Schatten, eine Bewegung. Vielleicht ein kleiner Delfin, denke ich? „Eine Robbe!“ Schnell zurück zum Boot gepadelt, wer weiss was Budhi oder der Robbe einfällt?! Mein Herz klopft mir hoch bis zum Hals, ich bin sehr aufgeregt und habe auch ein bisschen Angst! „Ich war nahe dran, aber ich hab mich nicht getraut, manchmal da ist Staunen genug..“, rechtfertige ich mich bei Simon. Wir bleiben drei Nächte. Wandern hoch, stehen zwischen vielen Menschen und ich bin sehr froh, wieder unten im Frieden unserer Bucht zu sein. Wir beginnen unsere Tage vor traumhafter Kulisse, baden, schnorcheln und gehen den Pfad hoch und runter. Trinken Kaffee und essen dazu wiedermal Kuchen. Vor unserer Weiterfahrt treffen wir Katharina, Sebastian, Jon, Jesper und Enya wieder. Wir haben die kleine Familie in Porto Santo kennengelernt. Sie alle haben eines gemeinsam: Die Sonne in ihren Herzen und Freiheit im Blick. Wir alle lachen und geben uns fröhlich, obwohl dieser Abschied kein leichter ist, denn ein Abschied auf See, ist immer ein Vielleicht. Jedes Segelboot hat seine eigene Geschwindigkeit und jede einzelne Person auch. Wir winken und rufen: „Auf wiedersehen ihr Lieben….“


Ihre Fahrt geht nach La Gomera und wir machen uns auf den Weg nach Funchal…..

Funchal

Die Nacht liegt schwer über dem Wasser und doch tanzt alles. Wir dachten, wir hätten das Schaukeln längst gelernt, doch Funchal belehrt uns eines Besseren. Wenn du dich nicht mehr ins Dinghi wagen kannst, wenn der Boden unter dir lebt wie ein eigenes Wesen, dann weißt du: Heute hat wiedermal, das Meer das Sagen. Am Morgen fahren wir zum Dinghi-Steg und melden uns bei der Marina, fragen ob sie vielleicht für uns ein Plätzchen haben, unter dem Motto: „We were dancing last night!“, und siehe da am Nachmittag, bekommen wir über Funk die Nachricht, wir können uns zu einer Hallberg-Rassy 400 stellen. Nachts kommt dann noch ein Boot aus Spanien. So liegen wir auf Päckchen, verflochten mit Geschichten, aus Teneriffa, die von drei Jungs aus Deutschland abgelöst werden und einem Paar aus Kanada. Fremde, die für eine Weile Nachbarn sind. Funchal, du rauschende Metropole mitten im Atlantik. So viele Gesichter, so viel Lachen, so viele Sprachen, die sich wie Wellen ineinander verlieren. So viele Deutsche, Österreicher, so viel Heimat im Fremden, so viel Urlaub im Jetzt. Wie der Sack des Weihnachtsmanns, prall gefüllt mit Wundern, mit Farben, Gewürzen, Früchten und Gemüse, den Duft vom Fisch und Fleisch. Madeira ist wunderschön.

Wir mieten uns ein Auto und wollen soviel wie möglich sehen. Am ersten Tag besteigen wir den Pico Ruivo, er ist der höchste Punkt des Archipels mit einer Höhe von 1.862 Metern. Wir laufen zwei Stunden hoch.

Auf diesem Weg sind wir kein einziges Mal alleine unterwegs und oben angekommen sieht es fast so aus, als hätten sich alle Touristen von ganz Madeira hier versammelt. Wir suchen uns ein kleines Plätzchen, fast ein Versteck um unser Porridge gemütlich zu essen.


Insgesamt sind wir vier Stunden unterwegs und da wir nur für drei Tage das Auto haben, entschliessen wir uns spontan noch die Levada des grünen Kessels anzusehen. Die Levada do Caldeirão Verde ist eine wirklich spektakuläre Route. Sie führt durch üppige Vegetation, dunkle, enge Tunnel und steile Hänge bis zu einer Schlucht mit einem Wasserfall, der in einen kleinen See mündet.


Der Gegenverkehr ist enorm, und manchmal ist es gar nicht so einfach, auszuweichen und mit Budhi einen Platz zu finden, um die Menschen vorbeizulassen. Budhi ist hier der einzige Hund und viele freuen sich ihn zu sehen. Ich glaube, Budhi ist der meist gestreichelte Hund der Welt! Am Ziel angekommen, sind wir plötzlich ganz allein auf der Levada. Wow! Das ist wirklich wundervoll. Mein Tipp: Gehe spät Nachmittags los, dann bist du zum Schluss vielleicht alleine.:) Dies ist wirklich eine anspruchsvolle Wanderung! Gutes Schuhwerk, warme Anziehsachen, Wasser und eventuell ein Snack. Stirnlampen oder gute Taschenlampen für die Tunnel! (Smart Phone Lampen reichen nicht aus)

Die Levada des Königs
Die Levada des Königs, PR18, beginnt direkt an einer Wasseraufbereitungsanlage und nach wenigen Schritten sind wir mitten drinnen im Nieselregen und im üppigen Grün. Wir tauchen wieder ein in den Märchenwald und ich höre Julie Andrews singen „…The rain in Spain stays mainly in the plain…“ ein Lied, eine Erinnerung aus meiner Kindheit, Mayfair Lady, doch sind wir nicht in Spanien und ich bin auch nicht zu Hause, wo meine Mutter durchs Haus tanzt und „Es grünt so grün wie Spaniens Blüten blühen..“ singt, sondern noch auf einer Portugiesischen Insel, zwischen Farn und Nebel begleitet vom Rauschen des Wassers. Wir laufen durch den Wasserfall und sind engültig nass, aber glücklich. Man schmeckt das Grün und spürt das Leben…..Der Weg des Königs-
Das Leben hier erinnert an ein Gedicht, gesponnen aus Nebel und Licht. An manchen Ecken glaubt man sogar, ein Hobbit könnte hinter einem Farn hervorschauen, oder ein Ork durchs Unterholz stapfen, so sehr erinnert diese Insel an die Länder aus Märchen und Sagen. Wir laufen täglich zwischen 20 bis 25 Kilometer, sehen, staunen, schwitzen, an manchen Tagen kann ich nicht mehr weiterlaufen, aber ich will nicht eine Stunde einen Moment versäumen. In diesen Momenten bin ich wie ein Kind, was nicht genug bekommt. Was immer noch nach mehr schreit! Aber eins hat mich die Insel gelehrt, Madeira will genossen werden. Es braucht Zeit.
Türen
Ich liebe Türen und das schon immer. Aber seit Lissabon ist dieses Gefühl stärker geworden. Hier in Madeira bemalen die Menschen ihre Türen und es scheint, als wäre es eine Metapher: für Mut! Hindurchzugehen, egal, ob Angst da ist oder nicht. Jede Tür ist eine Einladung, Neues zu entdecken, sich selbst zu überwinden und das Unbekannte zu umarmen.




Nun zu den Fakten: Nach der Überschwemmung im Jahr 2010 waren Teile der Altstadt von Funchal heruntergekommen und vernachlässigt. Ein Kunstverein, inspiriert von ähnlichen Projekten in Italien, gründete die Initiative „Arte Portas Abertas“, mit dem Ziel dem Verfall entgegenzuwirken, den alten Gebäuden ein neues Leben einzuhauchen und die Straßen wieder zu beleben. https://www.arteportasabertas.com
Der Cristo Rei
Die Christus-Statue auf Madeira ist 14 Meter hoch! Die Statue von Christus dem König von Garajau befindet sich an einem der schönsten Orte der Insel Madeira und ist eines der emblematischsten Denkmäler an der Ostküste. Das Denkmal wurde von Aires de Ornelas, dem Sohn des letzten Gutsbesitzers von Caniço, finanziert und gebaut, seine Einweihung fand am 30. Oktober 1927 statt.

Einmal rund um die Insel
Wir fahren einmal um die Insel, doch sie ist nicht annähernd wie Porto Santo. Überall sind Menschen, die Einsamkeit, und die Ruhe, die man sich von einer Insel erträumt, zeigt sich nur für kurze Augenblicke.


Der Mercado dos Lavradores
Der wohl bekannteste Bauernmarkt auf Madeira befindet sich in einer denkmalgeschützte Markthalle und ist ein Fest der Sinne, wunderschön und bunt! Ein Gedicht aus Mango, Passionsfrucht, Bananen, Guaven, Avocado und Früchte, deren Namen wir nicht einmal kennen. Wir kaufen, so viel wir tragen können als wollten wir den Geschmack der Insel mit nach Hause nehmen.

Parque de Santa Catarina.
Kurz nach Sonnenaufgang, ein Budhi Spaziergang im Parque de Santa Catarina.


Wir verlassen spontan die Marina in Funchal, das Ankerleben ruft! Auf der Suche nach einem Platz für die Nacht schaukeln wir durch die Bucht, rund um Madeira ist Ankern ein kleines Abenteuer für sich, ein Tanz zwischen Wind und Wellen. So steuern wir Calheta an. Der Porto de Recreio da Calheta https://portorecreiocalheta.pt, ist eine entzückende, kleine Marina, voller Leben, mit freundlichen Menschen und charmanten Restaurants. Unser letzter Tag, unsere letzte Nacht vor dem Sprung auf die Kanaren. Oh weh, hier möchte ich länger bleiben und Valerie genauso! Ich sehe auf Simons Gesicht, dass es ihm genauso gut gefällt, doch wir haben zum ersten Mal eine Marina auf La Palma reserviert, die Wellen haben sich beruhigt, der Wind ruft und so stechen wir wieder in See, dem Horizont entgegen. ⛵

Epilog:
Madeira, du Frau aus Feuer, Nebel und Salz. Du bist für mich ganz klar weiblich! Nicht Mutter, wie dein stilles, kleines Schwesterchen, Porto Santo, sondern wild, leidenschaftlich und ungezähmt. Du bist mehr als nur ein Ort. Du bist ein Gefühl! Wie ein tiefer Atemzug aus Grün, Salz, Sonne, Hortensien und Mango. In Funchal ist es laut und bunt und anderswo liegen die Kühe auf den Strassen und es ist still und tief, du bist ein Stück Wunder mitten im Ozean.-

