Zwischen Horizont und Herz

Gedanken über Leben, Tod und Freiheit

Schon als Kind habe ich über das Altwerden und den Tod nachgedacht. Angst hatte ich nie. Traurig machte mich nur, wie die Menschen um mich herum älter wurden. Nicht wegen Falten oder grauen Haaren, sondern wegen der Geburtstage. Irgendwann ist ein 50er kein „Juhu“ mehr, sondern ein stilles Abschiednehmen von etwas, das sich nicht benennen lässt. Heute bin ich selbst 50. Ich merke es nur, wenn ich in den Spiegel schaue. „Ach ja… da war ja was.“ Meine Mutter sagte mit 60: „Ich bin noch immer die, die ich mit 17 war, nur mein Aussehen hat sich verändert.“ Damals zerriss es mir das Herz. Heute weiß ich genau, was sie meinte. Für mich ist sie nie gealtert. Und auch ich vergesse oft, dass ich auf dem Papier eine „reife Frau“ bin. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich so gern reise. Unterwegs verschwimmen die Zahlen. Länder kennen kein Alter. Menschen, die man trifft, nehmen einen so, wie man im Moment ist: neugierig, müde, lachend, suchend. In Marinas, in kleinen Fischerdörfern, in Häfen, aufm Sand, vor allem auf einem Boot, fällt alles ab, was uns im Alltag beschriftet. Dort bin ich einfach ich! Nicht 17, nicht 50, sondern jemand, der sich bewegt, schaut und staunt.

Vergänglichkeit

Das Thema Vergänglichkeit begleitet mich schon lange. Vielleicht, weil ich so früh damit konfrontiert wurde. Noch bevor ich eingeschult wurde, verlor ich einen kleinen Freund und meine Tante. Mit 20 starb meine Schwester. Vor ein paar Jahren Helga, meine beste Freundin, meine zweite Mutter, die beste Oma der Welt. Bei Helga war es nicht das Alter, das sie zeichnete. Es war der Krebs, der sie Stück für Stück auffraß, ihr alles nahm! Zuerst die Stimme, dann die Fähigkeit zu essen, zu verdauen, dann ihren rosigen Teint. Nur ihr Lächeln nicht! Dieses unverkennbare, warme, gütige Lächeln, das sie trotz furchtbarer Schmerzen bis zum letzten Atemzug behielt. Wenn ich an Helga denke, denke ich an dieses Lächeln, an ihre Sachertorte, ihren Schweinsbraten und ihre Hingabe, Menschen Gutes zu tun. Helga, meine allerbeste Freundin. Wenn ich an sie denke, höre ich diesen Satz, der mich seit ihrem Abschied begleitet: „Ich bin nicht tot, ich tausche nur die Räume. Ich lebe in euch und geh durch eure Träume.“ Nun lebe ich seit fast zwei Jahren auf dem Boot und ich bin dem Leben genauso nahe wie dem Tod. So fühlt es sich für mich an. Auf dem Wasser, besonders bei langen Fahrten, hat man unendlich viel Zeit, um über alles nachzudenken: Woher man kommt, wohin man geht, was man tun will oder lieber lassen sollte. Alles wird langsamer, weicher, klarer. Und doch bleibt das Leben selbst ein schneller Strom, nicht überraschend, nicht unberechenbar, aber unaufhaltsam. Man spürt jede Veränderung, jedes Weiterziehen, ganz bewusst.

Das Spielen als Lebenselexier

Mit meinen Kindern habe ich immer das gespielt, was sie gerade liebten. Ich erinnere mich an einen verregneten Kinoabend, an das Essen danach beim Thailänder in der Kantstraße und an die „Kurbel“ – ein kleines Kino voller nostalgischem Charme. Heute steht dort ein moderner Bioladen mit Neonröhren. Es regnete in Strömen, als wir nach dem Essen mit unseren Essstäbchen in der Hand durch die Wilmersdorfer Straße liefen. Wir schrien uns die Zaubersprüche von Harry Potter zu und waren fast enttäuscht, als wir vor unserer Haustüre standen. Durchnässt. Glücklich. Damals lebten wir im 6. Stock am Stutti, umgeben vom Rotlicht und doch sicher. Wir passten aufeinander auf. Noel und ich spielten Star Wars, und ich war stets Darth Vader. Viele Jahre später mit Valerie war ich Chewbacca, manchmal aber auch R2D2. Zuvor waren wir Magiegeschwister im Wald: Blumin und Blitzen: die eine mit Pflanzenkraft, die andere mit der Kraft der Elemente. Wir waren My-Little-Ponys, kleine Meerjungfrauen im Wasser, später Reiterinnen auf der Flucht vor Orks aus „Herr der Ringe“. Am stärksten aber war immer unsere eigene Fantasie, die meiner Kinder und meine. Wir konnten stundenlang im Wald bleiben, bis wir die Zeit vergaßen. Oder im Wasser spielten, bis unsere Lippen blau wurden. Manchmal vergaßen wir sogar, dass es schon Zeit für das Abendessen war und wir nach Hause mussten.

Die verlorene Zeit und das MUSS

Mai und Juni sind für mich die schönsten Monate. Nicht wegen des Wetters, sondern wegen der langen Tage. Die Sonne will einfach nicht untergehen. Doch die Schule beginnt früh, Kinder müssen ins Bett – das MUSS. Vielleicht spürten meine Kinder meinen Widerwillen, sie ins Bett zu bringen, während draußen das Leben weiterging und der Sommer viel zu kurz war. Der Kindergarten und die Schule, der erste Zwang. Beide waren früh in der Kita. Bei Noel sagte man mir, ich sei noch zu jung, um zu verstehen, dass Kinder gleichaltrige brauchen. Bei Valerie: „Je früher desto besser, sie muss ja mal auf eigenen Beinen stehen.“ Ich habe vieles anders gemacht. Vieles verschwiegen. Ich war immer die „Komische“. Heute mit einem erwachsene Sohn merke ich, intuitiv vieles richtig gemacht zu haben, vielleicht nicht perfekt, aber gut. Er erinnert sich an diese freie Zeit unterm Himmel.

Junge Menschen und die Sehnsucht nach Freiheit

Heute sehe ich junge Menschen auf einem Segelboot und denke: Wie großartig! Was für eine Chance, diese Lebenserfahrung zu machen, die Welt mit eigenen Augen zu sehen. Mit Wind im Gesicht, Wasser unter den Füßen, völlig frei. Ich wünsche jedem Menschen diese Möglichkeit, unabhängig von finanziellen Mitteln oder Umständen. In meiner Jugend sagten die Älteren oft: „Ich arbeite jetzt ganz viel, damit ich in der Rente ein gutes Leben habe.“ Die meisten von ihnen leben heute nicht mehr, sind krank oder arbeiten immer noch. Oder sie sitzen zuhause, ohne je ihren Traum wirklich gelebt zu haben. Warum eigentlich? Warum brauchen wir so viel? Warum immer neu, größer, glänzender, besonders? Es scheint, als hätten wir vergessen, dass das Leben hier und jetzt passiert, nicht irgendwann in der Rente, in einem Haus. Die Sehnsucht nach Freiheit, nach echten Erfahrungen, nach Wind und Wasser ist in jedem von uns angelegt.

Werdet wie die Kinder

Unter dem Himmel sind wir alle so klein wie Ameisen und ganz bestimmt kann man einen Erwachsenen nicht von einem Kind unterscheiden. „Werdet wie die Kinder.“ Wer kennt das Zitat aus der Bibel nicht? Viele Interpretationen. Meine ist diese: Ein Kind spielt. Es ist im JETZT. Es geht nicht ums Gefallen, nicht um Geld, nicht um Ruhm, nicht darum, besser, schöner oder wertvoller zu sein. Es geht um Freude. Um Hingabe. Um das Pure. Das Leben. Wenn ihr seid wie die Kinder, dann ist alles andere nur ein Konstrukt. Eine Illusion. Etwas, das uns altern und innerlich sterben lässt, obwohl wir glauben zu leben. Wer kennt sie nicht diese Sätze: „Werde doch endlich erwachsen!“ „Bau dir was auf.“ „Bring deine Schäfchen ins Trockene.“ „Wenn du was Gescheites lernst, steht dir die Welt offen.“ Mache-Tue-Muss-Später-Irgendwann…..und genau mit diesen Sätzen, könnte es sein, dass du vergisst, was du willst!

DU UND DEIN JETZT

Wann hast du zuletzt so gelacht, dass du fast weinen musstest? Wann bist du durch den Regen gerannt oder sogar stehen geblieben, einfach so? Hast dich mit deinen Kopf in den Sturm gestellt, nur um deine Haare tanzen zu lassen? Wann bist du das letzte mal barfuss im Matsch gestiegen oder durch den Acker gelaufen? Wann hast du das letzte mal mit Fingern aus Omas oder Mutters selbstgemachter Marmelade genascht? Hast gefühlt wie sie voller Hingabe die Früchte verlesen und gekocht hat, nur aus Liebe? Hast dich treiben lassen. Hast das gemacht, auf was DU Lust hattest? In der Fussgängerzone getanzt, weil da jemand trommelte und dein Körper sich bewegen musste. Wann hast du das letzte mal ohne Scham einfach gesungen und alle konnten dich hören? Wann bist du einfach stehen geblieben? Wann hast du das Leben und vor allem Dich gespürt?

Genau Jetzt

Wo bist Du? Wie fühlst du dich? Du bist das Wichtigste unter diesem Himmel! Also warte nicht länger! Das Leben ist nämlich zu kurz um es auf morgen zu verschieben.- Egal wo DU bist. Im Wald, oder in einer kleinen Wohnung, egal ob Weltmetropole oder Kleinstadt. Egal ob aufm Boot oder im Wohnmobile. Egal wo…. Bleibe einfach stehen! Genau jetzt und schau in den Himmel, fühle die Erde! Lache, Schreie, Weine, Spiele, Renne, Hüpfe, Springe, Singe und Tanze. Zelebriere DEIN LEBEN, denn es ist DEINES und nicht deiner Eltern, deiner Freundin oder deines Partners, auch nicht das deiner Kinder! Sei Du die Verädnderung und zwar in deinem Leben. Ich versuche es jeden Tage. Es ist nicht immer einfach, aber es lohnt sich!

Sei glücklich, deine Vivi

Magische Tips

Nach dem Aufwachen noch kurz im Bett liegen bleiben. Rolle dich zusammen, wie ein Embryo und atme in den Bauch. Affirmationen: Der Frieden fängt bei mir an. Die Liebe fängt bei mir an. Ich atme, ich lebe!

Aufstehen: Vor oder nach der Toilette, kaltes Wasser über die Handgelenke laufen lassen. Fühle das Leben, den Puls und den Boden unter deinen Füssen.

Beim Zähneputzen einen Satz formulieren, wie dein Tag sein soll. Zum Beispiel: Voller Freude gehe ich heute durch den Tag. Alles, was ich heute mache, mache ich in Ruhe und voller Hingabe. Dieser Tag ist ein Geschenk an mich!

Bevor du dein Telefon einschaltest: Hüftbreit hinstellen, aus dem Fenster in den Himmel oder auf einen Baum gucken. Atme 7 Sekunden ein, 7 Sekunden aus – mindestens eine Minute, besser drei 🙂

Hole dir einen Heilstein. Einer der dich anspricht und trage ihn am Körper.

Abends ein Fussbad mit sehr warmen Wasser und Salz. (Totes Meersalz)

Ein Journal/Tagebuch schreiben: Ein Satz, wofür du dankbar bist. Oder: was du an jenem Tag erlebt hast. Was du gelernt hast.

Das Herz Ritual: Lege die linke Hand auf dein Herz und die rechte drüber. Langes tiefes atmen mit geschlossenen Augen. Nun sag Danke zu deinem Herzen, dass es immer schlägt!

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