Was bedeutet überhaupt „Seekrank“? Und wieso eigentlich dieses Wort? Warum nicht Wasserkrank, Meerwahnsinn oder Wellenvergiftung? Viele Jahre war ich Gast auf verschiedenen Booten und es ging mir immer gut. Nun ja, meist waren es nur Tagesausflüge oder mal eine Nachtfahrt. Während die anderen sich übergaben, oder aufm Klo waren, genoss ich das Meer. Damals war ich froh und sehr dankbar, dass mir nicht schlecht war. Jahre vergingen und ich zog aufs Boot, alles war gut! Keine Übelkeit, kein Schwindel, doch dann die Fahrt von Helgoland nach Borkum.

Erwischt! Die Übelkeit war heftig, mir war schwindelig und ja, ich habe mich übergeben, aber es war erträglich. Vor allem wurde es besser, sobald ich mich an der frischen Luft hinlegte. Der extrem kalte Novemberwind im Gesicht, das Salz auf den Lippen und irgendwann war der „Spuk“ vorbei. „Okay“, dachte ich, „damit kann ich leben.“ Damals wusste ich nicht, dass das keine Seekrankheit war. Es war nur das erste, liebevolle Anklopfen des Ozeans. Wochen vergingen, Routine kam und das Schaukeln wurde Normalität. Mein Körper gewöhnte sich, meine anfängliche Sorge verwandelte sich in Erleichterung. Selbst bei ruppiger See ging es mir gut. Ich war überzeugt: Mir kann das Meer nichts anhaben. Ich dachte, es wäre einfach nur die innere Einstellung. Wie war das nochmal? Nach dem Hochmut, kommt der Fall?… Denn dann, kam die Biskaya. Die Biskaya empfängt dich nicht. Sie prüft dich. Nicht heimtückisch, nicht hinterhältig, sondern ehrlich, ungefiltert und ohne Vorwarnung.
Seekrank auf dem Kontinentalschelf
Kurz davor verändert das Meer seine Stimme. Die See wurde wild, der Wind stärker als angesagt und an Bord war plötzlich nicht mehr alles dort, wo es sein sollte. Eine unserer Katzen hatte Stress, also stieg ich hinab in den atmenden Bauch des Bootes, wo jeder Schritt schwerer wird und jeder Griff plötzlich zu weit entfernt scheint. Ich taumelte von einer Seite zur anderen, versuchte mich festzuhalten, scheiterte oft genug daran. Ich sammelte Wassernäpfe ein, wischte Wasser und Streu auf, brachte die Katzen in unsere Koje und baute ihnen kleine Höhlen, damit sie sich sicher fühlen konnten. Denn dort, wo wir dachten, dass es gut für sie wäre, wollte plötzlich keiner der Tiere sein. Unten, im Rhythmus des stampfenden Rumpfes, holte mich das Meer dann ein, mit einer Wucht, die kein Hinlegen, keine frische Luft und kein Atmen mehr lindern konnten. Es fühlte sich an, als hätte mich eine Welle von innen getroffen. Ich konnte kaum noch Luft holen. Mein Herz raste. Mein Körper rebellierte unaufhörlich. Ich erbrach mich ohne Pause. Nichts blieb bei mir. Kein Wasser. Kein Halt. Kein Gedanke. Egal ob draußen oder drinnen, es gab keinen Ort der Erleichterung. Schlafen? Unmöglich. Ein Schluck Wasser? Fehlanzeige. Was Essen? Ein absurder Gedanke. Die Globuli, die ich vorher genommen hatte, zeigten keine Wirkung. Mehr davon, half nicht. Rezeptpflichtige Tabletten kamen sofort wieder hoch. In diesen Stunden wurde mir brutal klar: Seekrankheit ist: Wenn dein Körper aufgibt und das um dich herum, keinen Halt mehr bietet. Stunden später, lag ich im Bett zwischen meinen Katzen und meinem Kind und Simon musste alleine navigieren. Ich war wach, ich sah alles, aber mein Körper war wie gelähmt. Ich konnte nichts tun, außer zu hoffen und zu beten, dass es vorbeigeht. Es war kein „Drama“, das wäre eine Lüge. Es war der pure Horror und zugleich eine Verwandlung. Eine, in der man versteht, dass das Meer nicht dein Gegner ist, sondern ein Raum der dich zwingt loszulassen, verletzlich zu sein, zu vertrauen und am Ende stärker wieder aufzutauchen. Irgendwann nach Stunden wurde es still in mir. Nicht nur die See beruhigte sich, sondern auch ich. Kurz vor Morgengrauen als ich wieder oben stand und den Horizont sah, begriff ich: Seekrank macht dich nicht kleiner, sie macht dich wahr.

Warum der Wellengang hier stärker ist
Der kontinentale Schelf ist der flache Randbereich eines Kontinents unter dem Meeresspiegel. In diesen Gebieten verändern sich Wellen besonders stark, da sie auf flacher werdendes Wasser treffen. Dadurch entstehen kurze, steile und unregelmäßige Wellen, die das Schiff stärker rollen lassen. Diese Bewegungen gelten als ein häufiger Auslöser für Seekrank.
Aber was genau ist dieses Phänomen?
Seekrankheit ist keine „Krankheit“ im klassischen Sinn, es ist eine Konfliktsituation im Gehirn. Der Gleichgewichtssinn im Innenohr spürt Bewegung. Auf und ab, hin und her. Gleichzeitig sagen die Augen: Alles ok, alles stabil, aber der Körper fühlt mal Halt, mal keinen und das Gehirn versucht aus diesen widersprüchlichen Informationen auszugleichen und scheitert. Dieses Sinneschaos löst eine Schutzreaktion aus. Der Körper glaubt, er sei vergiftet und versucht, „das Gift“ loszuwerden, daher die Reaktionen von Übelkeit und Erbrechen, Schwindel bis hin zu Herzrasen, Panik und Orientierungslosigkeit. Es ist keine Schwäche. Es ist reine Biologie. Selbst erfahrene Seeleute, berichten davon.
Meine sanften Helfer an Bord ⚓
Homöopathie
Bei Übelkeit & Schwindel auf See
🌿 Cocculus D6 oder C30 – wenn Schwindel im Vordergrund steht und Hinlegen Erleichterung bringt
🍋 Nux vomica D6 oder C30 – bei Übelkeit durch Stress, Gerüche
🚗 Tabacum C30 – wenn blasses Gesicht, kalter Schweiß oder extremes Unwohlsein dazu kommt
✋ Sepia C30 – bei Erschöpfung, wenn einem „alles zu viel“ wird und man einfach nur Ruhe braucht

Der VIVI TIP
Ingwerwasser oder dünner Pfefferminztee.
Zubereitung: 5 Scheiben Ingwer (roh) mit 2 Tassen Wasser aufgekocht. 5 Minuten auf kleiner Flamme kochen, weitere 5 Minuten ziehen lassen. Abkühlen, durch ein Sieb gießen und im Kühlschrank für den Segeltörn aufbewahren. In kleinen Schlucken genießen.
Der Pfefferminztee: Einen Beutel für einen Liter! Nicht zu lange ziehen lassen! Der Pfefferminztee mit Süßholz, von Pukka ist fantastisch und schmeckt sehr lecker!
Prävention: Ein, oder zwei dünne Scheiben rohen Ingwer langsam kauen! Am besten mehrere Tage vorher.
Rezeptfreie Tabletten die mir geholfen haben bei hohem Wellengang ist eine Antihistaminikum von Hexal: Cetirizin. Bekommt man für ein paar Euro in der Apotheke.
ACHTUNG: Das sind nur meine persönlichen Empfehlungen! Ansonsten gilt der Satz denn jeder kennt: Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt!
Was man alles für seine Gesundheit tun kann, hier geht es zu einer wunderbaren Seite, eine kleine Schatzkammer:
https://www.zietenapotheke.de/files/public/1_Contentseiten/6_Service/Kompendium-Zieten-Apotheke.pdf
Mehr zum Nachlesen
Reise-Seekrankheit:
https://skipper.adac.de/ratgeber/seekrankheit-ursachen-symptome-behandlung
https://www.hanseatreisen.de/inspiration/8-tipps-gegen-seekrankheit
https://www.seenotretter.de/magazin/vor-seekrankheit-ist-niemand-gefeit
