Es ist Sonntag der 8.12 und wir verlassen den kleinen herzigen Ort. Nach einer Woche Horn, ein Gefühl zwischen endlich und ängstlich. Was wird mich erwarten? Mit zwei Tagen Strom Ausfall, bei kalten Regen und Graupelschauer, dass heisst in unserem Fall: kein Luftentfeuchter, keine Deckenheizung, kein Zusatzstrahler machen wir uns nach einer viel zu heissen, nicht regulierbaren Dusche los. Bei fünf Windstärken segeln wir durchs Marker Meer und ich mache meine erste Halse auf Navita, im Dezember bei 0 Grad. Es scheint die Sonne und wir sind eingepackt wie die kleinen Michelinemännchen, Schicht um Schicht, Winterjacke und oben drauf die Schwimmweste. Unsere Segel sind sehr luvgierig https://de.wikipedia.org/wiki/Luv-_und_Leegierigkeit und es ist schwer den Kurs zu halten, auch ein bisschen ein Wagnis will man ja keine Patenhalse https://de.wikipedia.org/wiki/Patenthalse riskieren will. Ein gelegentliches „Hui“ und „Simoooooon“, kommt über meine Lippen. Aber alles in Allem, läuft es Recht gut. Irgendwann ist die Kälte so extrem, dass selbst das Schiff im Innersten mich nicht mehr aufwärmen kann. Langsam setzt auch eine gewisse Erschöpfung ein. Nach sechs Stunden Fahrt unter Segel, kommen wir vor der Schleuse der Stadt Amsterdam an. Wir funken was das Zeug hält, rufen durch, aber keiner meldet sich. Ok. Wir machen uns also einfach mal fest, an einem kleinen schwimmenden Steg vor der Schleuse. Es bedeutet kein Strom, kein Budhi Auslauf! Komisch wie selbstverständlich diese Sachen für mich geworden sind. Ok, ich war immer schon der Mensch, der sich auf alles einstellen konnte. Wenn ich so richtig verzweifelt war, also Land unter, dann habe ich Rotz und Wasser geweint, eine heisse Tasse Tee getrunken und alles war wieder gut. In diesem Jahr habe ich mich sovielen Herausforderungen gestellt, die mehr mit anderen Sachen zu tun hatten, als ich überlicherweise konfrontiert wurde. In der Mitte meines Lebens auf einer Reise, die mir mehr körperlich, aber auch geistig abverlangt als ich dachte, die mich läutert, transformiert und heilt, kann ich auf eine Vergangenheit blicken, die schillernd war, aber nicht erfüllend, ein rennen durch Glitzer und Alptraumzeiten. In diesem Jahr hab ich ein wunderschönes Zuhause am See aufgegeben, Freundschaften überdacht, mich von lieb gewonnen Dingen getrennt. Bin mit drei Haustieren, meiner Tochter und meinem Mann in eine Wohnmobile gezogen um den Traum meiner Tochter die Welt zu sehen und den Traum meines Mannes, dass auf einem Segelboot, zu erfüllen. Seit April lebe ich mit meiner Familie auf unsere Navita. Meine Reise hat begonnen und das Lied von Nena aus meiner Jugend, dass ich seit Jahren immer wieder summe, macht jetzt Sinn. „Ich gehe mit dir wohin du willst, auch bis ans Ende dieser Welt. Am Meer, am Strand wo Sonne scheint. Will ich mit dir alleine sein….
Und du bist der Kapitän. Gehen wir an Bord und fahren mit. Ich tauch‘ den Fischen hinterher. Mach‘ alle Türen zu und los. Vertreiben wir uns die Zeit im Meer.
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