Segeln mit Hund und Katzen

Leben an Bord mit allen Familienmitgliedern

Manche Reisen beginnen nicht mit einem Ziel sondern mit einer Entscheidung. Nämlich nicht alleine zu gehen, nicht zu trennen was längst zusammen gehört und niemanden zurückzulassen. Ein Boot ist kein Ort mit einer festen Adresse. Es ist ein Raum zwischen Himmel und Wasser, mit einem schwankenden Versprechen von Freiheit, mit einer wichtigen Besonderheit: es ist eine Lebensart, die keine Zeitangaben kennt. Keine Monate, keine Jahre. Es ist der Weg….und nicht das Ziel. Genau hier stellte sich die leise Frage: Wer darf mit? Und wie kann das gehen? Wie funktioniert Gemeinschaft mit Tieren auf engem Raum, unterwegs im echten Leben, nicht wie in einem Hollywood Film? Wenn man Haustiere hat, gibt es eigentlich nur drei Möglichkeiten, entweder sie sind Familienmitglieder, Wachpersonal oder Inventar. Ja, das klingt hart! Ich weiss, aber es gibt Fakten und die Wahrheit. Wenn man sich für ein Tier entscheidet, dann für immer, oder? Was meinst Du? „Bis der Tod uns scheidet..?“ Für Simon, Valerie und mich sind unsere Vierbeiner Familie, Geschwister, Kinder, Lebensbegleiter, ohne Enddatum. Kein Abschiede auf Zeit! Daher kam ein weiteres Zuhause: bei Oma, Opa, Mama, Papa oder Freunden nicht in Frage. Unsere Tiere sind mit uns von Anfang an unterwegs gewesen. Zuerst ein halbes Jahr im Wohnmobil und das hat sehr gut funktioniert. Warum? Wir haben stets darauf geachtet, dass wir Plätze aussuchen, wo unsere Katzen sicheren Freigang haben. Wenn es mal länger dauerte oder wir uns Sorgen machten, schickten wir Budhi los. Seine Aufgabe ist, seine Schäfchen Gretchen und Mila zu finden, wenn sie auf ihren Abenteuern den Rückweg vergessen haben. „Wir könnten euren Katzen auch in schönes Zuhause bieten.“, schlug der eine oder andere Freund und sogar die Nachbarin vor, aber Valerie verneinte das sofort. Nicht unhöflich, sondern klar: „Wir sind das Zuhause von Mila und Gretchen. Nicht ein Ort, nicht ein Haus, nicht ein Garten, sondern wir.“ Und Budhi, unser kleiner Schatten? Der folgte uns schon immer auf Schritt und Tritt, selbst aufs Klo, wenn man ihm nicht ausdrücklich sagt, dass er bleiben soll.

Katzen an Bord

Mittlerweile verlassen unsere beiden Katzen das Boot kaum noch, selbst dann nicht, wenn wir in einer Marina liegen. Stattdessen sitzen sie stundenlang vorne und beobachten alles. Wir nennen das ihr Hafenkino. Für Gretchen ist es ein unbezahltes Foto-Shooting. Ich glaube, sie ist die meistfotografierteste Reisekatze ohne Instagram-Kanal. Sie tut nichts Besonderes, sie ist einfach sie selbst und genau das ist entzückend. Mila hingegen beobachtet alles wie eine Königin aus der Ferne und lässt sich nur von Auserwählten streicheln.

Was Katzen an Bord brauchen

Rückzugsorte. Nestchen. Sicherheit. Fressen. Klo. Streu. Trinknapf.

Nun zu Mila, sie hat eine Futterunverträglichkeit. Früher bedeutete das: zwei verschiedene Futtersorten und ständiges aufpassen, dass sie nichts von Gretchen frisst. Bei rund 90 % aller Katzenfutter ging es ihr danach sehr schlecht. Heute füttern wir Monoprotein-Futter, das beide lieben. Aber auch hier gilt: planen, rechnen, vorausdenken. Wie lange bist du unterwegs? Ein Jahr? Mehrere Jahre? Wo kannst du das Futter lagern? Wir nutzen dafür Boxen und planen großzügig.

Katzenklo

Wir haben vieles ausprobiert. Im Wohnmobil und an Bord war Top Cat lange sehr gut. Die beste Lösung für uns haben wir schließlich in den Niederlanden gefunden. Eine fantastische Katzentoilette von der Marke Curver, Linie PETLIFE. https://curver.com/pets/

Katzenstreu

Ein Bio-Streu aus Deutschland, das zu 100 % biologisch abbaubar ist und sowohl ins Meer, als auch in die Natur gegeben werden kann, verantwortungsvoll und umweltfreundlich. Mein Favorit: CAT’s BEST Streu! https://www.catsbest.de/

Nest und Rückzugsort

Katzen brauchen auf Langfahrten vor allem eines: Sicherheit. Bei uns ist das kein fest eingebautes Möbel, sondern etwas sehr Lebendiges, unser Bett. Mit Kissen und Decken baue ich ihnen kleine Höhlen, weich, warm und vertraut. Dort ziehen sie sich zurück, wenn das Boot arbeitet, wenn der Wind lauter und die Wellen doller werden. Wenn die Welt draußen zu groß ist für sie. Auch Valeries Kabine lieben sie sehr, wenn wir ankern, wenn es ruhig ist. Doch bei wilder Fahrt wissen sie genau, wohin sie gehören, in unser Schlafzimmer, ihre Oase. Nachts liegen sie Kopf an Kopf mit Valerie, alle drei eng beieinander, ruhig, verbunden. Ein stilles Bild von Vertrauen. Tagsüber an Deck haben wir kleine Körbe, die wir je nach Wetter aufstellen, halb abgedeckt mit einer kuscheligen Decke, sodass sie sehen können und doch geschützt sind. Ein Platz zwischen Beobachten und Schlafen. Und wenn es wirklich ins Eingemachte geht, legt sich Budhi ganz selbstverständlich so hin, dass er beide Katzen mit seinem Körper schützt. Ein kleiner Wächter, ein Beschützer. Das ist sehr süss und sehr berührend!

Hund an Bord

Budhi, liebt dieses Leben. Daran habe ich nie gezweifelt. Ich erinnere mich noch ganz genau an den Moment, als das Wohnmobil vor der Tür stand. Wir wollten es eigentlich nur putzen. Budhi ist einfach hineingesprungen. Unter dem Motto: Los! Bei Mila war es auch so. Sie war lieber unterwegs als im Haus. Ich glaube, bei beiden ist die Abenteuerlust sehr ausgeprägt. Als wir in einem Haus mit Garten lebten, haben sie das Grundstück nie verlassen. Sie waren keine Ausreißer, keine Streuner, keine Grenzgänger. Sie waren stets bei uns. Ganz anders als Gretchen, unsere „Hans-guck-in-die-Luft“, die in Wannsee überall unterwegs war und bei der wir uns oft Sorgen machten, wegen der Straße, wegen der Wildschweine, wegen der Welt. Budhi hingegen ist am glücklichsten, wenn er mit uns unterwegs ist. Es ist ihm völlig egal, was wir machen, Hauptsache, er ist dabei. Boot, Wohnmobil, Auto, ein neuer Ort oder einfach nur der Weg. Für ihn zählt nur eines, Gemeinschaft. Selbst eine kurze Autofahrt um den Block wäre für ihn ein Abenteuer, solange wir zusammen sind. Diese bedingungslose Freude, dieses stille „Ich geh mit dir wohin du willst, auch bis ans Ende dieser Welt….“, ist das größte Geschenk, das ein Hund einen machen kann.

Futter

Budhi bekam jahrelang BARF. Auf dem begrenzten Platz eines Bootes ist das allerdings nicht immer einfach. Wir haben zwar eine Tiefkühltruhe, aber sie ist nicht groß genug für dauerhaftes barfen. Wenn wir länger an einem Ort sind, bekommt Budhi frisches Fleisch, ansonsten bekommt er hochwertiges Trockenfutter. Wir kaufen Rind und hin und wieder ein Huhn. Das Huhn koche ich wie eine typischen Hühner Suppe für Menschen, nur ohne Zwiebel mit Karotten und einem kleinen Kartoffel und das Rind, ist meist ein Rinderhack. Dazu gibt es mein bewährtes Rezept:

Budhis Hack-Gemüse-Spezial

Zutaten (gekocht):

  • 250 g Reis
  • 500 g Rinderhack
  • 150 g Karotten (klein schneiden)
  • 3 Stangen Sellerie (klein schneiden)
  • optional: Süßkartoffel oder Brokkoli (kleine Mengen bzw eine Handvoll)

Roh dazu (nach dem Abkühlen):

  • 1/2 Apfel oder eine 1/2 Birne klein geschnitten (ohne Kerne & Gehäuse!)
  • 1-2 Banane
  • 2 EL Heidelbeeren oder Blaubeeren
  • 2-3 Blatt Salat (Blattsalat oder Feldsalat oder Kopfsalat)
  • 1/2 Salatgurke (klein geschnitten)

Zusatz:

  • 1 EL gutes Öl (wir wechseln – das gleiche, das wir selbst essen)
  • 1 EL BARF Pulver

Zubereitung:

250 g Reis mit ca. 600–650 ml Wasser kochen. Hackfleisch einrühren. Nach etwa 10 Minuten Karotten und Sellerie dazugeben. Bei kleiner Hitze weiterköcheln lassen, regelmäßig umrühren, ggf. etwas Wasser nachgießen. Nach ca. 20-25 Minuten ist alles gar. Abkühlen lassen!!!!! Vor dem anrichten, das frische Obst, Gemüse und ggf. etwas Salat hinzufügen. Wir füttern unseren Hund 2x am Tag, jeweils von diesem Gericht 200/250 Gramm, insgesamt 400 Gramm. (Budhi wiegt ca. 20 Kilogramm ). Du kannst natürlich auch eine grössere Menge kochen und sie einfrieren! Auf jedenfall musst du bis zum fertigen Verbrauch die Mischung im Kühlschrank lagern!

⚠️ Wichtig:

  • Keine Kohlarten (auch kein Chinakohl)
  • Apfel immer ohne Kerne
  • Ergänzungspulver (BARF) nur nach Beratung oder Recherche

Gassi auf Langfahrt – wohin mit Pipi & großem Geschäft?

Eine der häufigsten Fragen: „Wo macht euer Hund sein Geschäft und wie lernte er das?“ Für Hunde ist es ganz untypisch sein eigenes Nest zu beschmutzen. Je sensibler und klüger das Tier ist, desto schwerer fällt ihm das. Wir haben Budhi schon als Welpen beigebracht, auf Kommando Pipi zu machen. Jedes Mal wurde er mit einem „besonderen“ Leckerli belohnt und wir haben voller Freude gerufen: „Gutes Pipi, gutes Pipi!“ So hat er gelernt, dass es etwas besonderes ist. 🙂 Das Loben und die Freude darf nicht zu kurz kommen! Dann auf dem Boot hat Valerie immer wieder kleine Runden an Bord gedreht. Kleine Spaziergänge. Eine Art Routine eingeführt. Übung macht den Meister! Auch bei uns hat es gedauert, bis Budhi sich darauf einlassen konnte. Bei ruhiger See gehen wir angeleint an Deck spazieren. IMMER mit Schwimmweste, ausser wir liegen vor Anker. Welpen lernen das oft spielerisch. Aber auch erwachsene Hunde können es lernen, mit Geduld, Ruhe und Konsequenz.

Wichtig zu wissen:

👉 Das große Geschäft kommt irgendwann – ob der Hund will oder nicht.

👉 Nur Pipi können Hunde lange halten.

Beschäftigung auf See

Zwei Wochen auf See sind nicht nur für uns Zweibeiner lange! Daher geben wir sowohl den Katzen als auch dem Hund kleine Aufgaben. Zum Beispiel, das Suchspiel. Wir verstecken Futter. Oder wir Menschen verstecken uns. Oder eine Schnüffelaufgabe. Oder das Zieh und Zerrspiel mit einem Seil. Auf ViviCam zeige ich dir kleine DIY-Ideen, wie du aus einfachen Bordmitteln Spielzeug und Beschäftigung basteln kannst.

Gesundheit & Dokumente

Für alle Tiere brauchst DU:

  • Heimtierausweis
  • Mikrochip
  • gültige Impfungen
  • Parasitenschutz
  • Tollwutimpfung
  • Bandwurmbehandlung (für manche Länder Pflicht)

Einige Länder verlangen außerdem einen Titer-Test. Dieser darf nicht älter als fünf Tage sein!

Checkliste Katzen:

☐ Erste-Hilfe-Set

☐ Katzenklo

☐ Streu

☐ Futtervorrat

☐ Katzengras

☐ Wassernäpfe

☐ Rückzugsorte

☐ Sicherer Platz unter Segel

☐ Bürste (z. B. FURminator)

☐ Rasierer

☐ Transportboxen

☐ Schwimmwesten

Checkliste Hund:

☐ Erste-Hilfe-Set

☐ Futtervorrat

☐ Wassernapf

☐ Leine & Geschirr

☐ Schlafplatz

☐ Bürste

☐ Zeckenschutz

☐ Handtuch

☐ Schwimmweste

Am Ende geht es nicht um die Route oder wann wir wo sind! Es geht um Gemeinschaft. Um das leise Vertrauen. Wir sind alle Zusammen und das jeden Tag. Egal, wo wir sind. Unsere Tiere haben sich nicht für das Meer entschieden, sondern für uns. Jeder Blick, jeder Pfotenabdruck auf dem nassen Deck, jedes gemeinsame aufwachen erinnert uns daran, dass Zuhause kein Ort ist. Zuhause das sind wir Valerie, Simon, Budhi, Gretchen, Mila und ich. Sicherheit und Liebe. Wo wir gesehen werden und bleiben dürfen. Segeln mit Hund und Katzen ist kein Abenteuer für Instagram. Es ist das Versprechen eines gemeinsamen Lebens in all seiner Unperfektheit.

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