Knapp über einem Monat stehen wir in der schönen Marina in Brest https://www.marinasbrest.fr/ und bezahlen ein kleines Vermögen, aber so war das nicht geplant. Mittlerweilen kennen wir schon einige Menschen hier und die Marina fragt, ob wir bleiben wollen. Oh weia, jetzt aber sollten wir langsam los. Wenn man mit verbundenen Augen hier rumlaufen kann und weiss wo was ist, kennt man sich ziemlich gut aus. Jetzt sind wir zwar in Frankreich und am Meer, aber es ist eiskalt und ich erinnere mich mit Wehmut an unser gemütliches Wohnmobil, an die Berge und an den Schnee. Genau vor einem Jahr, waren wir noch in unserem Wohnmobil unterwegs. Schneebedeckte Berge, Tiefschnee und Sonne vor dem stahlblauen Himmel in Sexten (Südtirol). Zum Abendessen Marillenknödel und Frittatensuppe. Damals war alles ungewiss trotz Planung, denn alles kann man nicht planen, zumindest nicht, im wahren Leben. So kam zum Beispiel eine Steuernachzahlung, die höher war als wir dachten und wir dadurch ein wenig einbussen mussten, zumindest was den Luxus betrifft. Ja, Skifahren ist Luxus! Egal ob eine Tageskarte für die Lifte oder den einen oder anderen Ski zum Leihen, oder im Fall für Valerie eine ganze Ausrüstung, weil sie jedes Jahr eine andere Grösse hat. Alles in allem kostet so eine Ski-Tag für drei Personen um die 300 Euro und das ohne Essen zu gehen. Man fährt meist 5-7 Tage in ein Ski Gebiet und wenn man ein Wohnmobil hat, dann manchmal sogar 14 Tage. Nun denn, ich hatte neue Skischuhe bekommen, die ich in diesem Winter nicht nutzen konnte. Ich war sehr traurig darüber, aber was soll`s, wenn man Erwachsen ist, muss man mit sowas klar kommen, stattdessen tröste ich Valerie, was nicht nötig ist, sie steckte es sportlich weg.
Zwar wollte sie auch sehr gerne Ski fahren, aber Valerie kann sich in jede Situation reinfallen lassen und das im wahrsten Sinn des Wortes, denn sie springt und tobt im Schnee, als wäre es weicher, warmer Wüstensand. Sie holt das Beste aus jedem Moment und steckt alle damit an. Sie tanzt, springt und wir werfen uns gegenseitig in den Tiefschnee, spielen mit Budhi und geniessen die kulinarische Mischung aus Österreichisch-Italienischen Essen. Immer wieder kommen Erinnerungen aus der Vergangenheit hoch, ob es die Zeit mit dem Wohnmobil ist, oder die einzigartigen Momente, als wir noch in der kleine Marina in Schweden standen. Regen oder Schnee, Wasser und hohe Luftfeuchtigkeit auf dem Schiff oder im Wohnmobil. Wir machen das beste draus, auch wenn es Momente der Verzweiflung gibt. Wenn die Nerven mal blank sind, kochen wir Pasta und gucken dazu einen Film. Ich backe viel wenn ich verzweifelt bin. Und dann ist er da der Moment: Endlich machen wir die Leinen los und fahren mit einem schönen sanften Wind nach Camaret-sur Mer, eine Stunde von Brest entfernt 🙂 Egal, Hauptsache ein paar Meter weiter. Camaret-sur Mer, was bist du nur für ein kleiner niedlicher Ort. Camaret-sur-Mer befindet sich an der Westküste des Finistère, auf der Halbinsel Crozon. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich und wir erkunden zu Fuss die Gegend und sind stundenlang unterwegs. Wir sind Gäste vom Port du Notic et du Styvel. Nach zwei Tagen sagt Simon: „Morgen fahren wir!“ Kurze Stille auf dem Boot! Die Biscaya! Nun gut, dann mal los. Wir backen Kuchen, Brot und kochen ein Linsencurry. Wir werden drei Tage unterwegs sein! Das heisst 2 volle Nächte und ein Tag bis zum Abend. In Schichten werden wir fahren und Budhi muss an Deck sein Geschäft verrichten. Der Countdown läuft und die Aufregung steigt. Am nächsten Tag, zögert Simon. „Lasst uns noch einen Tag warten!“, sagt er, „dann ist die See nicht mehr zu rauh.“ Aber dann sehe ich Franzosen in See stechen und dränge Simon- „Komm´!“ sag ich, „Lass uns hinterher fahren, dann sind wir nicht ganz alleine auf dem Weg in den Süden!“ Simon zögert, guckt immer wieder auf sein Handy, überprüft Wind, Wellengang ob alles passt. „Morgen wäre besser…“ , aber Vivi schlägt wieder mal zu. „Quatsch“, sag ich „die fahren auch, sogar mit Hund! Lass uns nicht mehr warten.“ Ich finde es ist Zeit. Ich habe Respekt vor dem Törn, aber ein gutes Gefühl. Oder will ich es einfach hinter mich bringen ? Das Pflaster abreissen? Haben wir doch ziemlich viele Horrorgeschichten über die Biscaya gehört. Simon sagt nichts mehr. Also fahren wir… Hätte ich bloss nichts gesagt, hätte ich auf Simon gehört… Hätte, Hätte… Fahrradkette…

