Segeln in Schweden – Rastaholm auf Ekerö entdecken

Rastaholm, ein kleiner, versteckter Ort zwischen Feldern, Wald und dem Mälarensee. Eine Märchenwelt voller Ruhe und Freundlichkeit, voller Magie und wilder Natur. Vier Monate ist Rastaholm mein, unser Zuhause. Drei Monate davon bin ich allein mit Valerié und den Tieren, weil Simon in Deutschland noch sein Projekt beendet. Wir lachen und frieren und spüren das wahre Sein. Der Raum ist hier grenzenlos, so, dass es keine Sehnsucht mehr gibt. Selbst der wolkenverhangen Himmel spiegelt die Weite in deinem Innersten und der Regen zeigt dir eine Emotion von dir selbst. Schweden ist wild, frei und pur. Alles, was man sein möchte. Die Menschen sind so freundlich, als kenne man sich seit Jahren. Hier sagt man nicht nur „Hallo“, man fragt: „Wie geht es dir?“ Hier gibt es eine Tiefe und Verbundenheit, wie ich sie liebe. Wir haben Schnee im Mai und Wasser in der Bilge. Kein warmes Wasser. Oft keinen Strom. Wir schlafen unter fünf Daunendecken, komplett angezogen. Nach drei Nächten unter null Grad kaufen wir nahe Stockholm Heizdecken. Sie sind Gold wert. Wenn kein Stromausfall ist, laufen sie durch. Starke Regenfälle holen uns manchmal unsanft aus dem Schlaf. Undichte Stellen lassen Tropfe, in einem Guss durch Decken und gestrickte Socken laufen. Mein frisch aufgebrühter Kaffee und Valeriés Tee sind in Sekunden abgekühlt und damit trinkbereit. Simons Angebot, uns ein Hotel, ein Airbnb oder einen Flug nach Deutschland zu buchen, lehnen wir ab. Valeries rote Wangen, glänzende Augen sagen: „Auf keinen Fall. Es ist so wunderschön und Papi, mach dir keine Sorgen! Wir machen das schon.“ Simon macht sich trotzdem Sorgen, ich erkenne es in seiner Stimme wenn wir telefonieren. Wir lernen Navita weiter kennen. An einem Tag ein ohrenbetäubender Lärm als ich das Boot betrete. Ich weiss nicht, was zu tun ist! Über Facetime rufe ich Simon an, der mich kaum versteht. Der Fehler bleibt unklar. Der Vorbesitzer, Toma, ist schon unterwegs. Er sucht nach einem Leck. „Navita ist in Ordnung!“, sagt Toma. Gott sei Dank! „Es ist der Bilgenalarm!“ Ein Schlauch der Frischwasserpumpe ist gerissen und das Wasser ist in die Bilge gelaufen, daher der Alarm. Die Wasserpumpe und der Boiler dürfen nicht mehr benutzt werden, bis Simon kommt. Wir benutzen das eiskalte Wasser über die Fußpumpe und helfen uns beim Abwasch, Gesicht waschen und Zähne putzen mit abgekochtem Wasser. Es gibt keinen einzigen Moment, in dem wir daran denken, die Reise abzubrechen. Das Boot in der kleinen, menschenleeren Marina zu verlassen. Als wir kein Mietauto haben gehen wir Wochenlang sieben Kilometer zu Fuß zum nächsten Supermarkt, nicht weil wir müssen, sondern weil wir wollen. Weil unser Leben ein einziges Abenteuer ist. Schlangen und Kröten bremsen unseren Morgenlauf. Wir haben Zeit zu staunen, Fotos zu machen, ihren Weg zu verfolgen. Elche, Hirsche, Rehe und Hasen leben hier zwischen Bäumen und Büschen. Es erinnert an den Kinderfilm Bambi. Fast erwartet man, dass die Tiere sprechen – vielleicht sogar Schwedisch. Hier erkenne ich die Seelen, die in allem wohnen. Ein Elch steht am Straßenrand und wartet, dass man ihn passieren lässt und wir staunen. Hier möchte man nicht ins Bett gehen, um keine Stunde des Tages zu verpassen. Denn die Zeit läuft hier schneller als anderswo. An manchen Tagen ist es so still, dass der See wie ein Spiegel wird. Er entführt dich in eine andere Welt, taucht den Himmel in sein Antlitz und wenn man sich fallen lässt, wird man eins mit allem hier. Als ich Rastaholm verlasse, fühlt es sich eng an in meiner Brust. Tiefgreifend, wie Liebeskummer. Ein schmerzlicher Abschied, auch wenn es vom Gefühl nicht für immer sein wird, denn hier hat mein Herz einen Anker ausgeworfen. Hier bleiben winzig kleine Teile von mir zurück. In jeder Seeblume, in jedem Grashalm, in den Bäumen, im Regen, im Wind, im Himmel. An jedem Ort, der mich erkannt hat. „Könntest du hier bleiben?“, fragt eine leise Stimme. „Ja“, antwortet es wie ein Windhauch. „Für immer“, flüstert mein Herz. Ein Lied in meinem Kopf „… und irgendwann bleib i dann dort, lass alles liegen und stehen und bleib für immer da …“ (S.T.S) und es ist nicht Griechenland, sondern Schweden und ich bin Oma oder Uroma, mit schlohweißen Haaren, umringt von Enkeln, von ein paar Schafen, Hühnern und vielen Border Collies.

Marina Schweden, Rastaholm: https://www.stockholmssegelsallskap.se/sss/

Das Gasthaus in Rastaholm, eines der schönsten Restaurants, die ich bisher gesehen habe! Das Essen ist sehr, sehr gut und der Brunch, himmlisch! Die Gastgeber hilfsbereit und super lieb. Man kann auch ein Zimmer buchen! Du springst morgens gleich in den See und im Anschluss ein Besuch in der Sauna. https://www.rastaholm.com/

Vivi Tip

In Stockholm gibt es viele 2-Hand Läden. Wenn du so lebst wie wir, dann kaufst du selten neue Anziehsachen, denn wir achten stets, woher sie sind und wie sie hergestellt werden. Ich habe sehr schöne Kleider und tolle gemütliche Jogginghosen hier bekommen: https://artikel2.se und bei SGG second Hand Fredrikslundsvägen 2, 168 34 Bromma. In Schweden kannst du sogar Möbel und Einrichtungsgegenstände kaufen! Wunderschöne Lampen und sehr, sehr viel Kinderspielzeug. Unglaublich wunderschöne Schätze aus 2. Hand!

Vali & Vivs Lieblingsausflüge:

Rosenhill Trädgard, Adelsö Kyrka, Blå Lagunen. Die schönsten Wanderwege: https://www.alltrails.com/de/sweden/stockholm/ekero–2 und natürlich das Schloss Drottningholm: https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Drottningholm. Ausserdem empfehle ich die Gifflar auszuprobieren, ein leckerer Genuss für alle die Zimt lieben, ACHTUNG: Suchtgefahr, wer einmal anfängt damit, kann nicht mehr aufhören. https://pagen.de.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert